VIN Institute VIN Institute

VIN Institute

Forschungsfelder

Sechs Fachforschungszentren entsprechen den sechs Infrastrukturbereichen; hinzu kommt ein bereichsübergreifendes Zentrum für autonomen Betrieb, das die strukturellen Folgen des Wechsels der ausführenden Instanz vom Menschen zur KI bearbeitet.

Sieben Forschungszentren

ForschungszentrumZentrale Fragestellungen
Zentrum für NetzwerkforschungIntentionsgetriebene Konfiguration, formale Erkennung von Konfigurationsdrift, Nachweisbarkeit von Routing-Richtlinien, Minimalrechtemodelle für bereichsübergreifende Kontrollen
Zentrum für TelekommunikationsforschungEnde-zu-Ende-Qualitätsinferenz, Vorhersagbarkeit der Redundanzübernahme, Fehlerdomänenanalyse von Kommunikationspfaden
Zentrum für RechenzentrumsforschungDigitale Zwillinge der Infrastruktur, Optimierung von Energieeffizienz und Wärmeführung, Kosten-Zuverlässigkeits-Modelle der Speicherklassen
Zentrum für Hosting-ForschungNachweisbarkeit der Mandantentrennung, Fairness bei Ressourcenkonkurrenz, automatisierte Steuerung des Mandantenlebenszyklus
Zentrum für PlattformforschungTheorie der Observability verteilter Systeme, Reproduzierbarkeit von Delivery-Pipelines, Erkennung und Quantifizierung von Degradationsverhalten
Zentrum für SystemforschungFormale Beschreibung von Konfigurations-Baselines, Vertrauenswürdigkeitsbewertung von Backup und Wiederherstellung, Migrationspfade für Zertifikate im postquantenzeitlichen Umfeld
Zentrum für autonomen BetriebWissenschaft der KI-Arbeit, Entwurf der Mensch-Maschine-Grenze, Schleusentheorie, Formalisierung der Nachvollziehbarkeit, Fehlerformen der Mehr-Agenten-Zusammenarbeit

Zentrum für autonomen Betrieb

Die Kernfrage lautet: Welche bislang stillschweigend geltenden Annahmen verlieren ihre Gültigkeit, wenn die tatsächlich handelnde Instanz der Infrastruktur vom Menschen zur KI wechselt?

Herkömmliche Betriebsabläufe beruhen auf drei Annahmen über Menschen: Ein Mensch urteilt situativ, ein Mensch verantwortet das Ergebnis, ein Mensch erinnert sich, was beim letzten Mal geschah. Alle drei müssen neu entworfen werden, sobald KI ausführt — das Urteil muss zu lesbaren Regeln nach außen treten, die Verantwortung zu prüfbaren Aufzeichnungen werden, die Erinnerung zu einer abfragbaren Wissensstruktur.

Gegenwärtige Schwerpunkte sind unter anderem: die formale Beschreibung der Mensch-Maschine-Grenze (welche Entscheidungen ein Mensch treffen muss und wie sich das Kriterium definieren lässt), die Schleusentheorie (an welcher Stelle des Ablaufs ein Abfangpunkt liegen sollte und wie sich der Nutzen verschiedener Stellen quantifizieren lässt), die Formalisierung der Nachvollziehbarkeit (welche Struktur einer Aufzeichnung für eine nachträgliche Ursachenzuschreibung ausreicht), eine Klassifikation der Fehlerformen in der Mehr-Agenten-Zusammenarbeit (wie sich Fehler ausbreiten und verstärken, wenn mehrere KI-Rollen zusammenwirken) sowie die automatische Prüfung der Regelkonsistenz (wie sich einander widersprechende Bestimmungen bei einer Überarbeitung erkennen lassen).

Drei zentrenübergreifende Forschungsvorhaben

  • Quantitative Bewertung der Betriebsreife

    Ein Satz beobachtbarer und vergleichbarer Kennzahlen soll die Betriebsfähigkeit verschiedener Organisationen objektiv bewertbar machen, statt sie dem subjektiven Eindruck zu überlassen. Dieses Vorhaben bildet die theoretische Grundlage des Reifegradmodells des COR Council.

  • Bereichsübergreifendes Modell der Fehlerausbreitung

    Die zeitaufwendigsten Störungen der Wirklichkeit reichen meist über mehrere Bereiche — eine Netzwerkeinstellung beeinflusst das Verhalten des Speichers, die Latenz des Speichers beeinflusst die Gesundheitsbewertung der Plattform, die Wiederholungsversuche der Plattform verstärken die Netzlast. Ziel ist es, die bereichsübergreifende Fehlersuche von der Erfahrungsvermutung zur strukturierten Inferenz zu führen.

  • Wissensverfall und organisationales Gedächtnis

    Untersucht wird ein Phänomen, das die Praxis gut kennt und die Forschung kaum behandelt: warum betriebliches Wissen einer Organisation mit der Zeit verloren geht, wovon die Verlustrate abhängt und welche Wissensstrukturen dem Verlust wirksam standhalten.